2004 übernahmen die Brüder Patrick und Denis Stupp das väterliche Unternehmen, die Peter Stupp Design Mode GmbH, und gründeten zwei Jahre später das Label Rich & Royal. Rich & Royal steht für ungezähmte, individuelle, glamouröse Mode. Die Marke, die mit einer Kollektion von zehn Glitzer-T-Shirts im Glam-Rock-Stil begann, kann mittlerweile eine beeindruckende Wachstumsstory vorweisen. Mittlerweile gehört Rich & Royal zu einer der am schnellsten wachsenden Brands in Deutschland, die sich auch immer mehr international etabliert – eine echte schwäbische Erfolgstory mit königlichem Hintergrund sozusagen.

Die beiden Brüder rocken das Geschäft ganz ordentlich: Die Peter Stupp Design Mode GmbH machte im Jahr 2009 über 10 Mio. Euro Umsatz, beschäftigt über 20 Mitarbeiter und der Exportanteil liegt bei rund 35%.

Ziemlich königlich: Das Rich & Royal Wappen

Patrick Stupp hat (34) ist ein Nagold-Absolvent und studierte in New York Marketing – nach Ausflügen in das Brand Management von Boss Orange, kam aber glücklicherweise er wieder ins heimische Freiberg zurück. Ähnlich erging es auch seinem Bruder Denis Stupp (31). Der hat in Heidelberg BWL studiert und dann den HAKA-Fachwirt in Nagold drauf gesetzt und auch ihn zog es nach Stationen im Ausland ins Schwabenländle zurück. Denis kümmert sich als Geschäftsführer um den Vertrieb und das Kundenmanagement, Patrick ist für die Ausrichtung der Kollektionen zuständig und betreut die Key-Accounts.

1. Rich & Royal ist ein waschechtes erfolgreiches Familienunternehmen – Wie kam es denn genau dazu?
Gegründet wurde die Firma 1986 von unserem Vater Peter Stupp, der kurz zuvor die Modefirma Gin Tonic verkaufte.
Durch den Einstieg von meinem Bruder Denis und mir haben wir frisches Blut in den Betrieb gebracht. Im Jahr 2006 haben wir gespürt, dass der Markt auf der Suche nach etwas Neuem ist. Inspiriert durch die US-Rockband Rich&Royal haben wir mit dem selbigen Namen eine innovative Kollektion auf den Markt gebracht.

Patrick Stupp - der kreative Kopf hinter den glamourös-rockigen Entwürfen der schwäbischen Marke

2. Wie ist denn die Aufgabenverteilung von euch beiden? Inwieweit unterstützt euch euer Vater bei euren Unternehmungen?
Schon kurz nach dem Einstieg im Jahr 2004 haben wir das Ruder übernommen. Denis ist zuständig für das Kaufmännische und ich für den kreativen Bereich. Jeder hat ein junges und dynamisches Team unter sich.

3. Eigentlich ist euer Brand ja eher edel-rockig – gibt es denn bei Rich & Royal auch etwas typisch Schwäbisches?
Typisch schwäbisch? Ja, wie z.B. dass wir weltoffen sind! Bevor wir in das elterliche Unternehmen eingestiegen sind, waren wir viel unterwegs. Stationen waren Cambridge, Florenz und New York. Unsere Philosophie ist es, zu faszinieren, etwas Unerwartetes zu zeigen und nicht mit der Masse vergleichbar zu sein. Und Mut zum Risiko zeigen. Unsere Wurzeln liegen wie der Name im Rockigen und Glamourösen.  Wirklich schwäbisch ist unsere Art, zu planen und alles auf einen soliden Sockel zu stellen. Wir sind stetig bereit für Investitionen, haben aber unsere Ausgabenseite ständig im Blick und passen sie der Umsatzentwicklung an.

4. Eure Kollektionen sind für Queens und Kings – wobei natürlich Queens deutlich shoppingfreudiger sind… Warum also die Menswear-Kollektion?
Für unser Unternehmen war die Herrenlinie schon immer sehr wichtig und war auch von Anfang an im Portfolio. Wahrscheinlich auch deshalb, da wir beide mitten in der Zielgruppe sind. Im Mens-Segment ist alles etwas langsamer und ruhiger, aber auch hier merken wir immer mehr, dass es eine wachsende Begeisterung für individuelle, anspruchsvolle Fashion gibt. Der Umsatzanteil für Menswear liegt bei etwa einem Drittel.

Auch Männer suchen individuelle, anspruchsvolle Fashion

5. Kidswear wird ja ein immer wichtigeres Thema: Gibt es schon Überlegungen, eine Prince und Princess Kollektion zu starten?
In der Tat gibt es bereits jetzt eine kleine Nachfrage. Nach wie vor halten wir diesen Markt jedoch für sehr schwierig. Ein Großteil der Eltern spart beim Kleidereinkauf für die Kids und deckt sich somit bei H&M und Co. ein. Es gibt einen kleinen Kreis von Modeverrückten, die für Ihre Kinder auch tiefer in die Tasche greifen und Markenware kaufen. Wir sind realistisch – so weit sind wir noch nicht. Zudem möchten wir unser Potenzial in dem Bereich ausschöpfen, in dem wir uns momentan befinden.

6. Lässt sich Rich & Royal von so allgemeinen Trends inspirieren oder entstehen eure Designs im stillen Kämmerchen?
Viele Trends werden auf den Straßen von London, Berlin, Amsterdam, Mailand, Paris und New York geboren. Hier ist unser Team ständig auf der Suche nach den neuesten Inspirationen. Diese Trends werden anschließend in unserem Designatelier gesammelt und mit Hilfe von Trendforecasts auf unseren persönlichen Look  abgestimmt und entwickelt.

7. Wo lasst ihr eure Kollektionen fertigen?
Wir haben langfristige Partnerschaften mit unseren Vorlieferanten. Wir legen sehr viel Wert auf hochwertige Materialen und eine perfekte Konfektion. Deshalb ist für uns „Made in Europe“ enorm wichtig. Unsere Hauptproduktionsstätten liegen in Italien, Portugal und Griechenland. Hier werden alle Produktgruppen ausgenommen von Outerwear und Leder hergestellt.

Vom großen Bling Bling haben wir uns schon lange verabschiedet

8. Spielt das Thema „Grüne Mode“ bei euch eine Rolle – wenn ja, inwiefern?
Unsere Kunden legen viel Wert auf unsere Qualitäten. Wir bieten eine Serie aus Pima Cotton die biologisch angebaut ist. Für uns ist es vor allem wichtig, dass wir ökologisch und sozial produzieren lassen. Das ist bei „Made in Europe“ gesichert. Zudem überprüfen wir unsere Lieferanten regelmäßig und lassen uns alle notwendigen Zertifikate zeigen.

9. Auf der Bread & Butter hab ich gesehen, dass Glam Rock und großes Bling Bling immer unwichtiger werden – was sind denn bei euch die Haupttrends für 2011?
Der Markt ist in Bewegung. Auf der einen Seite wird es schicker und angezogener. Wichtige Themen sind Blusen und Konfektion, wie Blazer, Westen und Hosen. Bei uns ist ein Fashion Blazer verziert mit metallischen Effekten wie Safety Pins oder Zip Edges. Das Innenfutter ist geprinted. So heben wir uns auch hier modisch ab. Auf der anderen Seite kommt Casual. Hier sind vor allem Chinos in engen und Tapered Formen angesagt. Auch Cargos mit aufgesetzten Taschen funktionieren sehr gut. Passend dazu ein gewaschener Chino Blazer. Im Jersey-Bereich setzten wir auf aufwändige Finishings wie Eco-, Vegetable- und Spyder-Dyes. Hier spielen wir immer noch mit Applikationen wie Nieten, Pailletten und Rhinestones, diese sind farblich jedoch absolut zurückgenommen. Von dem großen Bling Bling haben wir uns schon lange verabschiedet.

Haben-Wollen-Outfits: Rich & Royal erlösen zwei Drittel mit Ihren Queens-Outfits

10. Rich & Royal scheint sich zum schwäbischen Exportschlager zu entpuppen: Ihr seid mittlerweile auch in Italien, Griechenland, Polen, Tschechien und sogar China und Russland präsent. Wie wichtig ist der Export für euch?
Momentan wachsen wir in allen Märkten, der Motor sind die DACH Länder (Anm. der Red: Deutschland, Österreich und Schweiz).  Hier legen wir weiter überproportional zum Branchenschnitt zu. Neue Märkte wie Griechenland, Finnland, Russland und Hong Kong entwickeln sich sehr gut. Für uns ist es wichtig mit den Marktführern in den jeweiligen Gebieten zusammen zu arbeiten. Wichtig ist, dass mit einem sehr wertigen Kundensegment der Markteintritt erfolgt. Hier legen wir viel Wert auf Qualität. Die neuesten Zugänge in unserem Länderportfolio sind die Niederlande und Frankreich. Hier bestätigt sich unser Vorhaben. Bereits mit der ersten Verkaufsrunde konnten wir viele Top-Einzelhändler gewinnen. Der nächste Schritt wird der nordamerikanische Markt sein. Die dort ansässige Agentur steckt schon mitten in der Vorbereitung für den Kick-Off. Der Exportanteil liegt bei ca. 35%. Um den Exportanteil zu steigern helfen uns Messeplattformen wie die Bread & Butter in Berlin, welche einen Besucheranteil von 50% aus dem Ausland hat, sowie die CPM in Moskau, welche die Leitmesse für die osteuropäischen Märkte ist.

11. Wo siehst du Rich & Royal in fünf Jahren?
Unser Bestreben ist es Rich & Royal ständig weiter zu entwickeln. Unser Ziel ist es die Partnerschaften mit unseren Kunden zu vertiefen – hierfür haben wir ein sehr starkes Sales Team in unseren Showrooms und setzten auf eine nachhaltige  Betreuung vom Haus aus. Wir möchten die Marke weiter stark aufladen und uns international in den Trendabteilungen platzieren. Wir haben keinen Schlachtplan, wann welcher Markt angegangen werden soll. Wir entscheiden anhand der Partner, die wir finden können. Sind wir nicht überzeugt, kommt das Land später dran. Sind wir überzeugt, dass der neue Geschäftspartner genau der Richtige ist, starten wir ohne wertvolle Zeit zu verlieren. Die Internationalisierung betreffend leben wir ohne Druck von irgendwelchen Investoren. Das ist das Schöne an einem Familienunternehmen.

Patrick, herzlichen Dank für das Gespräch!