Derzeit ist Camp David auch dank Dieter Bohlen und Marcus Schenkenberg eines der angesagten Männerlabels in Deutschland. Hinter der Erfolgsmarke steht die Clinton Großhandels-GmbH, die außer Camp David auch das Womanswear-Label Soccx anbietet sowie das Retailkonzept Chelsea betreibt.

Camp David - Soccx Logo

Die Erfolgsmarken aus dem Hause Clinton

Begonnen hat die Erfolgsstory eigentlich mit einem Aushilfsjob in einem Jeansladen in Berlin- Kreuzberg. Daraus entwickelte Jürgen Finkbeiner zusammen mit seinem Bruder Hans-Peter das Einzel-handelskonzept East&West, das nach der Wende von dem Run auf echte „Westjeans“ profitierte. Seit 1994 wird Clinton gemeinschaftlich von drei Brüdern geführt, die trotz des Erfolgs im Modezirkus außerordentlich sympathisch, bodenständig und authentisch geblieben sind. Ihre Bewunderung für den einstigen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton ist an den diversen Geschäftszweigen ablesbar: Camp David ist der Wochenendsitz der US-Präsidenten, Soccx wurde nach der mittlerweile verstorbenen Katze der Familie Clinton benannt, während das Franchise- und Retailkonzept denselben
Namen trägt wie die Tochter der Clintons.

Von Berlin aus expandierte man zunächst vor die Haustür, also in die neuen Bundesländer. 2009 eröffneten die ersten Camp David-Monolabelstores. Mitte 2010 schließlich erfolgte das Roll-out in die alten Bundesländer und nach Österreich. Im Zuge dessen folgte in diesem Herbst der Launch der ersten Kids-Kollektion von Camp David für Jungs sowie die Eröffnung der ersten Soccx-Monolabelstores. Darüber hinaus brachte man mit ‚Yukon‘ den ersten Herrenduft von Camp David auf den Markt. Clinton ist derzeit mit 142 Chelsea-Stores (davon 18 eigene), 30 Camp David (davon acht eigene) und zwei Soccx Stores sowie 520 Großhandelsflächen präsent.

Seinen Hauptsitz hat das Unternehmen mittlerweile nach Hoppegarten bei Berlin verlagert und beschäftigt derzeit insgesamt mehr als 1.000 Mitarbeiter, davon alleine rund 180 im Headquarter.

Thomas Finkbeiner (Clinton Großhandels-GmbH)_2

Thomas Finkbeiner hat nicht ganz so viel Freizeit, dafür einen sehr erfüllten Job

1. War es schon immer Ihr Traum, in der Modebranche zu arbeiten?
Nein, ich hatte ursprünglich ganz andere Pläne. Nach meiner Ausbildung zum Feinblechner habe ich genauso wie meine beiden Brüder auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachgemacht und später angefangen Mathematik und Geschichte auf Lehramt zu studieren. Meine Brüder waren bereits nach Berlin umgezogen, um dort ebenfalls zu studieren: Jürgen Mathematik und Hans-Peter BWL. Während seines Studiums hat Jürgen in einem Jeansladen in Berlin ausgeholfen und nach seinem Ausscheiden dort eine der 17 Filialen übernommen und eigenständig weitergeführt. In dieses Business ist später mein Bruder Hans-Peter mit eingestiegen und gemeinsam eröffneten sie schon bald weitere Stores.
1991 schließlich, als ich gerade im fünften Semester war, fragte mich mein Bruder Hans-Peter: „Möchtest du später mal viel Freizeit haben oder möchtest Du Geld verdienen?“. Ich entschied mich für zweiteres und leitete dann eine neu eröffnete Filiale in Stuttgart. 1995 zog ich ebenfalls nach Berlin und wurde gleichberechtigter Gesellschafter der Clinton Großhandels-GmbH.

2. Und wie ist es, der Jüngste von drei Brüdern zu sein, wenn man gemeinsam ein Unternehmen führt?
Ich habe als Jüngster ja immer noch Welpenschutz (lacht). Nein, im Ernst, wir ergänzen uns prima. Jürgen ist der Kreative von uns, während Hans-Peter der Kaufmann ist. Und ich bin wieder ein anderer Typ. Auch wenn wir uns mal streiten, was nicht ausbleibt, wissen wir, wie wir das zu nehmen haben. Wir haben uns ja schon im Sandkasten gerauft. Es macht auf jeden Fall Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Und selbst wenn wir uns hier täglich sehen, verstehen wir uns so gut, dass wir auch gemeinsam mit unseren Familien in den Urlaub fahren. Das ist schon außerordentlich in der Unternehmerlandschaft. Für mich ist Familie jedenfalls etwas ganz Tolles.

Finkbeiner Brüder_Geschäftsführer Clinton Großhandels-GmbH

Erfolgreiches Trio: Die Brüder Hans-Peter, Jürgen und Thomas Finkbeiner

3. Und wie kam es dann zum jetzigen Geschäftsmodell?
Wir sind eigentlich als ganz normaler Multibrand-Store gestartet und haben Jeanslabels wie zum Beispiel Mustang oder Big Star verkauft. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass sich das nicht aufgrund Abschriften wirklich lohnt. Daher kamen wir auf die Idee eigene Marken mit ins Portfolio aufzunehmen. 1997 starteten wir schließlich mit einer Kollektion für Männer. Später kam dann mit Soccx das Label für die junge, moderne Frau hinzu. Und im Jahr 2000 führten wir unser Franchisesystem Chelsea ein.

4. Und warum dreht sich bei allem, was Sie tun, alles um die Familie von Bill Clinton?
Als wir unserem Unternehmen den Namen Clinton gaben, war Bill Clinton ein aufstrebender Gouverneur in den USA, der für die Präsidentschaft kandidierte. Er sorgte damals für eine Aufbruchsstimmung, wie wir sie heute vor kurzem so ähnlich mit Obama erlebten. Uns gefiel das und wir haben uns damit identifiziert und deshalb dazu entschieden, unser Unternehmen nach ihm zu benennen. Dass er dann tatsächlich Präsident wurde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Aber das Konzept dahinter hat sich dann so durchgezogen wie man an Camp David, Chelsea und Soccx erkennen kann.

Camp David Premium Collection HW 2010 Dieter Bohlen

Dieter Bohlen über Camp David: "Das ist besser als der meiste Dreck, den ich sonst so in meinem Schrank zu liegen habe"

5. Mit Dieter Bohlen ist ja ein ziemlicher Hype um die Marke Camp David ausgebrochen. Wie ist denn die Zusammenarbeit mit dem Pop-Titan aus Tötensen?
Dieter Bohlen finde ich persönlich klasse und sehr authentisch. Er ist privat genauso wie im Fernsehen – sehr offen und direkt. Es war eigentlich ein absoluter Zufall, dass er jetzt unsere Marke Camp David trägt. Ein Mitarbeiter hatte ihn im Urlaub auf Mallorca angesprochen. Dieter Bohlen war sehr interessiert, sah sich unsere Kollektion an und meinte schließlich: „Das ist besser als der meiste Dreck, den ich sonst so in meinem Schrank zu liegen habe“. Er ist einfach begeistert von der Marke und sie entspricht genau seinem Geschmack. Daher trägt er sie auch so oft – privat als auch beruflich. Ich bin überzeugt, dass wir ihn allein durch finanzielle Mittel nicht für uns gewonnen hätten. Was wir ganz besonders an unserer Zusammenarbeit mit ihm schätzen ist, dass es sehr partnerschaftlich zugeht und wir mit ihm direkt zusammenarbeiten. Mit Marcus Schenkenberg, dem Gesicht unserer letzten Denimkampagne Herbst/Winter 2010, ist es übrigens ähnlich. Er schrieb uns erst neulich, dass er unsere Klamotten einfach einmalig findet und er sie deshalb super gerne trägt

6. Wie hat sich denn die Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen auf den Umsatz ausgewirkt?
Ausgewirkt hat sich das natürlich positiv. 2010 wird für uns das bisher erfolgreichste Jahr in unserer Firmengeschichte. Aber welchen Anteil Dieter Bohlen daran hatte, kann man nicht genau beziffern. Es sind eine Vielzahl von Faktoren, die da zusammenkommen. Es ist im Prinzip wie beim Domino-Day – auch bei uns standen schon alle Steine wie beispielsweise eine tolle Marke, erfahrene Mitarbeiter oder ein gutes Lager-Logistiksystem. Dieter Bohlen war sozusagen dann nur noch der Anstoß, der das große Ganze sichtbar machte und uns plötzlich eine Plattform gab, auf der wir unser ganzes Potential zeigen konnten. Das hat sich letztlich natürlich nicht nur aufs Image, sondern auch auf den Umsatz und das Expansionstempo ausgewirkt.

Camp-David-Marcus-Schenkenberg-Hana-Nitsche.jpg

Auch Marcus Schenkenberg steht auf die Sachen von Camp David

7. Es heißt immer, Camp David wird in Ostdeutschland verkauft? Ist das denn noch so?
Ich möchte davon wegkommen, dass Camp David seine Zielgruppe hauptsächlich in Ostdeutschland sieht. Denn das entspricht nicht der Wahrheit. Das zeigt sich insbesondere daran, dass wir im Westen der Republik nicht weniger Ware verkaufen als in den neuen Bundesländern. Ganz im Gegenteil. Denn da hat es in den letzten fünf Monaten eine absolute Kehrtwende gegeben. Aufgrund der starken Medien-präsenz von Camp David aber vor allem wegen der hohen Qualität unserer Ware sowie dem sehr guten Preis-Leistung-Verhältnis und nicht zuletzt unseres sehr effizienten Vertriebs- und Businesskonzeptes konnten wir in diesem Jahr enorm stark nach Westdeutschland aber auch nach Österreich expandieren. So konnten wir in den alten Bundesländern seit Mai über 460 Verkaufsflächen hinzu gewinnen und das unter anderem bei sehr renommierten Häusern wie P&C Düsseldorf oder Hirmer in München. Im November haben wir schließlich unseren ersten Camp David-Store NRW‘s in Hamm eröffnet. Und weitere sind geplant: Für 2011 peilen wir die Eröffnung von rund 30 neuen Stores in Deutschland und Österreich an. Darüber hinaus möchten wir im kommenden Jahr unsere Präsenz im Großhandel auf 600 Kunden weiter ausbauen.

8. 2008 hat Clinton einen Umsatz von 43,8 Mio. Euro gemacht. Aktuelle Zahlen sind ja nicht bekannt. Wollen Sie uns verraten, was sie sich im Hinblick auf den Umsatz für das 20-jährige Bestehen vorgenommen haben?
Was könnte ich Ihnen denn jetzt sagen, damit Sie glücklich sind? (schmunzelt) Also, um es kurz zu machen: Wir streben mit unseren Nettogroßhandelsumsätzen die 100 Mio. Euro Marke an. Schon 2012 sollten wir das realisiert haben.

9. Und wie ist die Umsatzverteilung von Camp David und Socxx?
Anders als oft vermutet ist Soccx größer als Camp David mit einem Verhältnis von 55 zu 45. Ich geh einfach mal davon aus, dass die Frauen immer noch lieber und öfter einkaufen gehen als Männer.

10. Sie sind im Januar auch wieder auf der Bread & Butter. Wie war denn Ihr erster Auftritt dort im Sommer? Gibt es aktuell Pläne, ins Ausland zu expandieren?
Unser Einstieg auf der Bread & Butter war ein voller Erfolg, gerade was die positive, internationale Resonanz anbelangt. Aber bevor wir ins Ausland expandieren, werden wir unsere Hausaufgaben auf nationaler Ebene machen. Erst wenn das vollständig erfüllt ist, können wir uns um weitere Märkte kümmern. Welche Strategie wir diesbezüglich fahren werden steht allerdings noch nicht fest. Statt in den Osten zu gehen, können wir uns auch gut vorstellen, uns in Richtung Frankreich, Italien und Spanien zu orientieren.

11. Ganz anderes Thema: Auch in der Textilbranche herrscht ja der Kampf um Talente: Was tun Sie, um fähiges Personal anzuziehen und zu halten?
Wir wissen, dass eine wichtige Säule unseres Erfolgs unsere Mitarbeiter sind und schätzen sie daher sehr. Ich glaube, als Chef ist es wichtig, ehrlich und bodenständig zu sein. Langfristig gesehen, zahlt sich das am meisten aus. Meine Brüder und ich sind trotz des unternehmerischen Erfolgs am Boden geblieben. Mit uns kann man lachen und Spaß haben. Um unsere Mitarbeiter davon zu überzeugen, hier in Hoppegarten zu arbeiten, haben wir einige zusätzliche Anreize geschaffen. So haben wir neben vielen weiteren Annehmlichkeiten ein betriebseigenes Fitnessstudio eingerichtet, in dem unsere Mitarbeiter kostenlos trainieren und verschiedene Kurse belegen können. Außerdem besucht uns mindestens einmal pro Woche eine professionelle Masseurin, bei der man sich gratis und während der Arbeitszeit behandeln lassen kann. Das wird von unseren Mitarbeitern sehr geschätzt und wird sehr gut angenommen.

Vielen herzlichen Dank dafür, dass Sie so offen mit mir gesprochen haben!